Wir leben mit Dauer-Turbo. Alles soll schneller, höher, weiter werden. Aber Geschwindigkeit ist kein Fortschritt, wenn sie uns in die falsche Richtung katapultiert. In der Klimakrise brauchen wir ein neues Mindset: tiefer, bewusster, nachhaltiger.
Der alte Fortschrittsglaube
Seit der Industrialisierung gilt das Mantra des Wachstums: mehr Output, weniger Kosten, höhere Gewinne. Die Formel ist genauso einfach wie fatal: Technik steigert Effizienz → steigert Produktivität → senkt Preise → steigert Konsum → zerstört Klima.
Und weil alles „international wettbewerbsfähig“ bleiben muss, werden Löhne gedrückt, Ressourcen geplündert und Nachhaltigkeit als „nice to have“ abgetan. Klimaschutz? Ja, klar – aber bitte erst, wenn’s bequem ist.
Rettet uns die Technik? Leider nein!
Wir hoffen auf Wundermaschinen, die CO₂ einsaugen, während wir weiter nach Malle und Phuket jetten. Doch Carbon-Capture-Technologien sind weit davon entfernt, unsere Sünden auszugleichen. Und auch Wasserstoff hat sich bisher nicht als Stoff erwiesen, aus dem die Träume sind.

Der Glaube an technische Erlösung ist die neue Religion des 21. Jahrhunderts – und gefährlich. Wir lügen uns in die Tasche, wenn wir glauben, dass nachhaltiger Fortschritt „irgendwann“ kommt. Denn: Aufgeschoben ist aufgehoben.
Kulturwandel statt Klima-Kosmetik
Nachhaltigkeit ist keine Abteilung im Ministerium – sie ist ein Lebensstil. Im besten Fall gehört sie sogar zu den zentralen Werten einer modernen Gesellschaft. Wir brauchen Mut zur Veränderung, auch gegen Stammtisch-Zynismus und Manager-Mantras.
Ein echter Kulturwandel heißt:
• die Klimakrise nicht länger als Nebenwirkung der Renditegier behandeln,
• Globalisierung drosseln,
• Produktion wieder regional verankern,
• soziale Gerechtigkeit und Ökologie zusammendenken.
Wohlstand darf nicht länger heißen: mehr haben, sondern besser leben.
Fortschritt neu definieren
Fortschritt ist, wenn wir innehalten. Wenn Wachstum nicht mehr heilig, sondern sinnvoll wird. Wenn wir das Haben nicht verlieren, sondern vom Haben befreit werden.
Eine Wirtschaft, die Nachhaltigkeit ernst meint, misst Erfolg nicht an Tempo, sondern an Wirkung – für Menschen, Gesellschaft und Klima.
- Der Fortschrittsglaube „Schneller, höher, weiter“ ist überholt und muss durch „tiefer, bewusster, nachhaltiger“ ersetzt werden.
- Neue Technologien ersetzen keine Verhaltensänderung.
- Nachhaltigkeit braucht De-Globalisierung und neue Werte statt alte Wachstums-Reflexe.
© The Economics Coach 2026 (Titelbild: Lightsource/Deposit)



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