Wir modellieren ein neues Menschenbild. Aber nicht so, wie es uns weltanschaulich passt. Nein, wir tragen das Brauchbare aus der Ökonomik zusammen und ergänzen es um weitere Wesenszüge. Das Ergebnis: Der Homo Varius. Dieser könnte zwar auch im gängigen Haben-Stil weiterleben, wird aber im Modus des Seins viel glücklicher.
Wie ist der Mensch? Jedenfalls nicht so, wie ihn die Verfechter des Homo Oeconomicus haben wollen. Und auch nicht so, wie sich ihn die Anhänger alternativer Menschenbilder in der Ökonomik gerne vorstellen.
Was also tun? Ganz einfach: Das, was zutrifft, aus den vorhandenen Menschenbildern hernehmen und mit den eigenen Beobachtungen ergänzen. Daraus entsteht das Leitbild der ©BEconomics, der Homo Varius.

Das sind die zutreffenden Charaktereigenschaften des Homo Varius, die es schon bei den anderen Menschenbildern gibt:
- Er ist zwar nicht von Geburt an Egoist, aber er weist – biologisch-evolutionär bedingt – egoistische Züge auf, vor allem wenn es um Existenzfragen geht (Wohnen, Essen und Trinken, medizinische Versorgung).
- Er ist auch ein Stück weit materialistisch, was wiederum mit seiner Grundversorgung zusammenhängt (s.o.), aber auch mit dem einfachen Umstand, dass die Welt eben zu einem guten Teil aus materiellen Dingen besteht.
- Er ist kooperationsbereit – zum eigenen Vorteil, aber auch im Dienste des Gemeinwohls.
- Dies setzt voraus, dass es fair zugeht und nicht einzelne Gruppen in der Gesellschaft eine Vorzugsbehandlung erhalten („Alle müssen mitziehen!“)
Und nun zu den Ergänzungen und Erweiterungen des Homo Varius:
- Im Wirtschaftsleben mag der Mensch zwar stärker von Vernunft geleitet sein als in anderen Lebensbereichen. Aber eine wesentliche Rolle spielen auch Gefühle und Instinkte.
- Dies macht ihn vielschichtiger und unberechenbarer, damit aber auch offen.
- Der Mensch bewegt sich (gedanklich) innerhalb des bestehenden Wirtschaftssystems.
- Aber wie er tickt, ist eben gerade in hohem Maße von diesem abhängig.
- Insgesamt ist er sehr anpassungsbereit, um gut im jeweils bestehenden System (über)leben zu können. Heißt: Anderes Wirtschaftssystem, andere Verhaltensweisen.

Das Leitbild des Homo Varius nimmt also keinesfalls für sich in Anspruch, das Wesen des Homo Sapiens allgemeingültig festzulegen. Vielmehr der Mensch offen, wechselhaft, pragmatisch und anpassungsfähig.
Geld oder Liebe?
Damit kann es nicht ein einziges Wirtschaftssystem geben, das ihn glücklich und zufrieden macht. Wie wäre es denn zum Beispiel mit einem Wirtschaftssystem, das nicht Wachstum, Unternehmensgewinne und Aktienkurse in den Vordergrund stellt, sondern das Wohlergehen aller Menschen? Wie wäre es mit einem System, in dem nicht Materialismus und Egoismus regieren, sondern zwischenmenschliche Beziehungen im Vordergrund stehen?
Es ist fast schon eine Binsenweisheit, dass für die allermeisten Menschen zwei Dinge am wichtigsten sind: Liebe und Freundschaft. Besondere gemeinsame Momente und Erlebnisse mit anderen Menschen. Warum jedoch kommt dieser Lebenswunsch bei den meisten nicht recht zum Tragen? Weil sie das bestehende Wirtschaftssystem immer wieder davon abhält: Es lullt sie ein mit den Heilsversprechen höchster (Selbst)Befriedigung, wenn sie nur bestimmte Produkte kaufen, und es setzt sie ständig unter Arbeitsdruck. Der Grund liegt auf der Hand: Der Kapitalismus verdient (fast) nichts an einer reinen zwischenmenschlichen Beziehung.
Der Kapitalismus verdient nichts an zwischenmenschlichen Beziehungen. Er hat es auch nicht verdient.
Die ©BEconomics wollen den Menschen keineswegs um 180 Grad umkrempeln. Aber sie wollen ihm die Möglichkeit verschaffen, sie wollen einen stabilen ökonomischen Rahmen dafür bauen, um vom Daseinszustand des reinen „Habens“ (Konsum! Konsum! Konsum!) stärker in Richtung des „Seins“ zu bewegen. Versprochen, der Mensch wird sich so wohler fühlen. Wir reden hier also über eine neue Form des Wohlstands.
Was genau ist nun aber mit diesem „Sein“ gemeint? Schwer, dies in einen einzigen Satz zu fassen. Es handelt sich weniger um einen Zustand, wie man annehmen könnte, als vielmehr um ein Sammelsurium an Eigenschaften und Aktivitäten: Kreativität, Spontaneität, Achtsamkeit – vor allem aber um das verbindende Zusammenspiel mit anderen Menschen. Das kann etwas Kulturelles sein, etwas Soziales, etwas Politisches, etwas Sportliches – oder auch etwas rein Unterhaltendes. Im Mittelpunkt sollten jedoch immer die sozialen Beziehungen stehen, die man zu geliebten und befreundeten Menschen hat.

Viele dieser Aktivitäten sind eng verbunden mit dem der Idee der Selbstwirksamkeit. „Ich engagiere mich und sehe die Ergebnisse davon.“ Dies macht im Moment glücklich, auf Dauer zufrieden und steigert auf noch längere Sicht das Selbstwertgefühl.
Klar muss aber auch sein, dass der Wandel vom Haben zum Sein nur dann möglich und wünschenswert ist, wenn alle Menschen eine Grundsicherung in Anspruch nehmen können (Ernährung, Wohnen, Medizin) und keine Angst mehr um ihre Existenz haben müssen. Das schöne Sein setzt also immer ein solides Haben voraus.
Willst du noch mehr über das „Sein“ wissen? Dann lies „Haben UND Sein“.
© The Economics Coach 2025 (Titelbild: Vitalik Radko/Depositphotos)



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