Bitte einen warmen Applaus für unsere CEOs!

„Bescheidenheit ist keine Zier. Bescheidenheit ist Dummheit!“, lautet eine alte Manager-Weisheit. Oder so könnte zumindest ein altes BWL-Mantra lauten. Denn wir alle wissen ja, dass vor allem die besonders erfolglosen, aber auch die besonders erfolgreichen Unternehmenslenker ganz grundsätzlich vom „Stamme Nimm“ sind.

Doch wie kommt es dann, dass Deutschlands Top-Manager so derart bescheiden wirken? Zumindest sind sie es in Hinblick auf den pekuniären Aspekt dieser Universaltugend. Dies belegt nämlich die neue „Vorstandsvergütungsstudie“ der TU München und des BSW.

Sorry, es muss natürlich DSW heißen. Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Wobei der Unterschied zwischen BSW und DSW nun auch nicht so groß ist. Während das BSW die Profilmaximierung bestimmter Personen betreibt, setzt die DSW halt auf die Profitmaximierung bestimmter Personen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Kommen wir zu den wichtigsten Ergebnissen der alljährlich erhobenen Studie:

Bescheidenheitsindikator eins: 2025 erhielten die Vorstände der 40 deutschen Dax-Unternehmen im Durchschnitt eine Vergütung von 3,9 Mio. Euro.

Das war gegenüber dem Vorjahr ein Plus von nur vier Prozent. Und damit vollkommen im Einklang mit der Erhöhung der Nominallöhne in der Gesamtwirtschaft. Dahinter steht aber mehr als reines Zahlenwerk. Es ist ein gelungener Mix aus gelebter Ausgabendisziplin und sozialem Feingefühl, wenn zum Beispiel VW-Boss Oliver Blume sogar 15 Prozent weniger Vergütung als im Vorjahr einstreicht, obwohl doch sein Unternehmen beim Gewinneinbruch einen neuen Rekord von über 50 Prozent erzielt hat. So hat sich Blume 2025 mit gerade einmal neun Mio. Euro zufriedengegeben.

€€ Bescheidenheitsindikator zwei: Für ein Dax-Vorstandsgehalt müsste ein „Normalbeschäftigter“ dieser Konzerne umgerechnet 42 Jahre arbeiten. Klingt absurd. Denn im Vorjahr waren es nur 41 Jahre. Aber: Von 2014 bis 2021 schwankte dieser Wert sogar zwischen 48 und 54.

Kleines Trostpflaster: Der Löwenanteil an den Manager-Vergütungen ist variabel und damit voller Risiken. Die meisten Arbeiter und Mindestlöhner genießen dagegen mit ihrem Festgehalt viel mehr Einkommenssicherheit.

€€€ Bescheidenheitsindikator drei: Die Vorstandschefs hatten mit rund sechs Mio. Euro deutlich mehr in ihrer „Lohntüte“ als die ganz normalen Vorstands-Langweiler. Und der Abstand vergrößert sich immer mehr. Ein Hinweis darauf, dass sich auch die deutsche Wirtschaft, zumal in diesen polykritischen Zeiten, in Richtung Tech-Bro-Führerkult entwickelt?

Dafür gibt es gleich zwei hammerharte Kandidaten: Mit Christian Klein (SAP) und Christian Sewing (Deutsche Bank) haben zwei CEOs mehr als zehn Mio. Euro Vergütung kassiert. Das ist zwar noch nicht ackermännlich oder winterkörnig, aber doch ganz schön kernig. Selbst für DSW-Boss Marc Tüngler stellen die zehn Mio. Euro eine „magische Schallmauer“ (oder meinte er Brandmauer?) dar. Weil sie eben „ein wichtiger Indikator für den sozialen Frieden in unserem Land“ sind, verriet Tüngler dem „Handelsblatt“.

€€€€ Bescheidenheitsindikator vier: Um den Frieden nicht durch einen gesetzlichen Höchstlohn wahren zu müssen, können die Dax-Aufsichtsräte natürlich immer auf den weltweit messerscharfen Wettbewerb verweisen. Und darauf, dass doch im Ausland die wahrlich astronomischen Summen fließen. So strich der Goldman-Sachs-Chef David Solomon 2025 umgerechnet 105 Mio. Euro ein. Dabei liegt doch die magische Grenze für den sozialen Frieden in den USA bei 100.000 US-Dollar. Oder waren es doch nur 95.000?

Man kann es nicht oft genug sagen: Unsere Top-Manager sind wirklich bescheiden. Dafür haben sie sich einen warmen Applaus verdient. Schließlich wollen wir sie doch nicht schlechter als unser Pflegepersonal behandeln. Oder?

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