Alte Menschenbilder – warum sie uns blockieren
„Wer bin ich – und was treibt mich an?“ Diese Frage klingt philosophisch, ist aber hoch ökonomisch. Denn wie wir den Menschen sehen, bestimmt, wie wir Wirtschaft organisieren. Wir stellen dir hier die vier wichtigsten Menschenbilder der Ökonomik vor – und sagen dir, warum sie mehr über Ideologien verraten als über uns selbst.
1. Homo Oeconomicus: Mister Eigennutz
Er ist der Klassiker: rational, kalkulierend, egoistisch. Der Homo Oeconomicus denkt in Zahlen und Vorteilen. Er will mehr für sich – (fast) immer. Kurz: Mister Eigennutz.
Das 19. Jahrhundert hat ihn erfunden – als Maskottchen des Besitzbürgertums. Und er ist geblieben, weil er zum Kapitalismus perfekt passt: Wenn der Mensch egoistisch ist, darf das System es auch sein.
Klar, ein bisschen Ego haben wir alle – das steckt tief in unseren Genen. In der Steinzeit ging’s ums Überleben, heute geht’s um den Marktanteil. Doch wir leben längst in einer Welt, die Kooperation braucht statt Konkurrenz.
Fazit: Das Bild war mal vor ein paar Jahrhunderten nützlich – ist aber längst überholt.
2. Homo Sustensis: der Sinn-Sucher
Der Homo Sustensis will mehr als Geld: Sinn, Nachhaltigkeit, Gemeinschaft. Er denkt sozial, lebt achtsam, strebt nach Balance statt Boni.
Idealistisch? Ja. Aber vielleicht realistischer, als wir glauben – denn die Zahl derer,
die Sinn über Status stellen, wächst.
3. Homo Reciprocans: der Fair-Player
Der Homo Reciprocans glaubt an Fairness. Er handelt gerecht – solange andere das auch tun. Fouls werden mit Kaufboykott geahndet – selbst wenn dies so das Leben teurer wird.
Der Homo Reciprocans denkt und lebt Kooperation nicht als Ausnahme, sondern als Regel. Nur: Dafür braucht es ein System, das Trittbrettfahren unattraktiv macht und Solidarität belohnt.

4. Homo Relationalis: der Beziehungs-Mensch
Der Homo Relationalis (eigentlich eine Kopfgeburt der Soziologie) ist kein Einzelkämpfer, sondern Spiegel seiner Umwelt. Freunde, Kolleg:innen, Kultur – sie prägen seine Werte.
Und Kultur entsteht aus Wirtschaft. Oder, mit Marx: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.
5. Homo Varius: das realistische Modell
Keines dieser Bilder trifft voll zu. Der Egoist ist zu eng, der Idealist zu utopisch, der Faire zu starr, der Beziehungsmensch zu biegsam. Deshalb brauchen wir Version 5.0: den Homo Varius. Er vereint Vernunft und Empathie, Individualität und Gemeinschaft. Er weiß: Sein Glück hängt nicht vom Haben ab, sondern davon, wie er…Na, das erfährst du im Einzelnen im Artikel über ihn.
- Der Homo Oeconomicus ist ein Zerrbild – praktisch für Märkte, schlecht für Menschen
- Ein Rest Egoismus steckt in uns allen – aber er darf kein Systemdesign sein.
- Neue Menschenbilder zeigen: Wir sind kooperativer, als die klassische Ökonomik uns weiß machen will.
© The Economics Coach 2026 (Titelfoto: sruilk/Depositphotos)