C: Was dir Menschenbilder sagen – und was nicht
„Wer bin ich – und was treibt mich an?“ Diese Frage klingt philosophisch, ist aber hoch ökonomisch. Denn wie wir den Menschen sehen, bestimmt, wie wir Wirtschaft organisieren. Ich zeige dir hier die 3½ wichtigsten Menschenbilder der Ökonomik – und warum sie mehr über Ideologien verraten als über uns selbst.
1. Homo Oeconomicus: Mister Eigennutz
Er ist der Klassiker: rational, kalkulierend, egoistisch. Der Homo Oeconomicus denkt in Zahlen und Vorteilen. Er will mehr für sich – (fast) immer. Kurz: Mister Eigennutz.
Das 19. Jahrhundert hat ihn erfunden – als Maskottchen des Besitzbürgertums. Und er ist geblieben, weil er zum Kapitalismus perfekt passt: Wenn der Mensch egoistisch ist, darf das System es auch sein.
Klar, ein bisschen Ego haben wir alle – das steckt tief in unseren Genen. In der Steinzeit ging’s ums Überleben, heute geht’s um den Marktanteil. Doch wir leben längst in einer Welt, die Kooperation braucht statt Konkurrenz.
Fazit: Das Bild war mal vor ein paar Jahrhunderten nützlich – ist aber längst überholt.
2. Homo Sustensis: der Sinn-Sucher
Der Homo Sustensis will mehr als Geld: Sinn, Nachhaltigkeit, Gemeinschaft. Er denkt sozial, lebt achtsam, strebt nach Balance statt Boni.
Idealistisch? Ja. Aber vielleicht realistischer, als wir glauben – denn die Zahl derer,
die Sinn über Status stellen, wächst.
3. Homo Reciprocans: der Fair-Player
Der Homo Reciprocans glaubt an Fairness. Er handelt gerecht – solange andere das auch tun. Fouls werden mit Kaufboykott geahndet – selbst wenn dies so das Leben teurer wird.
Der Homo Reciprocans denkt und lebt Kooperation nicht als Ausnahme, sondern als Regel. Nur: Dafür braucht es ein System, das Trittbrettfahren unattraktiv macht und Solidarität belohnt.

4. Homo Relationalis: der Beziehungs-Mensch
Der Homo Relationalis ist kein Einzelkämpfer, sondern Spiegel seiner Umwelt. Freunde, Kolleg:innen, Kultur – sie prägen seine Werte.
Und Kultur entsteht aus Wirtschaft. Oder, mit Marx: Das Sein prägt das Bewusstsein.
5. Homo Varius: das realistische Modell
Keines dieser Bilder trifft voll. Der Egoist ist zu eng, der Idealist zu utopisch, der Faire zu starr, der Beziehungsmensch zu biegsam. Deshalb brauchen wir Version 5.0: den Homo Varius. Er vereint Vernunft und Empathie, Individualität und Gemeinschaft. Er weiß: Sein Glück hängt nicht vom Haben ab, sondern davon, wie er…Na, das erfährst du im Einzelnen im Artikel über ihn. [Link]
- Der Homo Oeconomicus ist ein Zerrbild – praktisch für Märkte, schlecht für Menschen
- Ein Rest Egoismus steckt in uns allen – aber er darf kein Systemdesign sein.
- Neue Menschenbilder zeigen: Wir sind kooperativer, als die klassische Ökonomik uns weiß machen will.
© The Economics Coach 2026 (Titelfoto: sruilk/Depositphotos)